Pro Hemsbach fordert vollständige Offenlegung aller Unterlagen - keine weitere Geheimhaltung - finanzielle Auswirkung öffentlich darstellen

Nach einer außerordentlichen Sitzung zum Thema Bildungszentrum (BIZ) hat die Wählergemeinschaft Pro Hemsbach (PH) erneut die vollständige Aufhebung der Nichtöffentlichkeit für Unterlagen, Gutachten und behördliche Schreiben gefordert. Aus Sicht der Gruppierung ist die Zukunft des BIZ eines der wichtigsten Themen für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt – und dürfe deshalb nicht hinter verschlossenen Türen behandelt werden.

Große Sorgen wegen der finanziellen Folgen

Im Mittelpunkt der Diskussion steht die finanzielle Situation Hemsbachs. Nach Auffassung von PH ist diese inzwischen nicht mehr nur angespannt, sondern „gefühlt katastrophal“. Bereits heute liegt die Pro-Kopf-Verschuldung der Stadt laut den vorliegenden Unterlagen rund dreimal so hoch wie im Durchschnitt vergleichbarer Kommunen.

Besonders viele Bürger sorgten sich deshalb um die Folgen eines möglichen Neubaus mit geschätzten Kosten zwischen 80 und 105 Millionen Euro. Neben Krediten und Zinsbelastungen gehe es vor allem um die Frage, welche Einschnitte künftig bei freiwilligen Leistungen notwendig werden könnten.

PH verweist darauf, dass Hemsbach für viele Familien bewusst als Wohnort gewählt werde – wegen der Schulen, der Vereine, des Freibads oder des Alla-Hopp-Geländes. Gerade deshalb müsse offen über die finanziellen Auswirkungen gesprochen werden. „Wer Transparenz schafft, kann auch um Verständnis werben“, heißt es aus den Reihen der Wählergemeinschaft.

Viele Fragen – aber zu wenige Informationen

Nach Angaben von PH werde die Gruppierung regelmäßig auf Themen wie Altlasten, Neubaukosten, die Zukunft der Realschule oder die Möglichkeit einer Sanierung angesprochen. Gleichzeitig kursierten viele widersprüchliche Aussagen und Spekulationen.

Die Wählergemeinschaft ist deshalb der Auffassung, dass die Bürger ein Recht auf Einsicht in die relevanten Unterlagen haben. Die Gemeindeordnung Baden-Württemberg lasse Nichtöffentlichkeit nur in eng begrenzten Fällen zu. Für die zurückgehaltenen Dokumente sehe man diese Voraussetzungen nicht erfüllt.

Warum wurden nur drei Unterlagen veröffentlicht?

Auf Antrag von Pro Hemsbach wurden inzwischen drei Unterlagen auf der Homepage des Schulverbands Nördliche Bergstraße veröffentlicht. Für PH wirft dies jedoch neue Fragen auf.

Weiterhin fehlten wichtige Dokumente, darunter der Antrag auf Aufgabe des bisherigen Schulstandorts von Gymnasium und Realschule mitsamt der eingereichten Begründungen, das Genehmigungsschreiben des Regierungspräsidiums Karlsruhe sowie eine fachliche Untersuchung zur möglichen Sanierung des bestehenden BIZ.

„Wenn auf unseren Druck hin drei Unterlagen veröffentlicht werden konnten, warum werden die übrigen Dokumente weiterhin zurückgehalten?“, fragt PH. In der Bevölkerung entstehe dadurch zunehmend der Eindruck mangelnder Transparenz.

Forderung nach aktueller Finanzbewertung

Ein weiterer Streitpunkt ist die fehlende Aktualisierung der finanziellen Bewertung eines möglichen Schulneubaus. Bereits 2018 hatte die Kommunalrechtsbehörde die Auswirkungen eines Neubaus auf die städtischen Finanzen bewertet – allerdings unter völlig anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Deshalb habe Pro Hemsbach Bürgermeister Jürgen Kirchner bereits Ende April aufgefordert, eine neue schriftliche Einschätzung einzuholen. Bislang liege diese jedoch nicht vor. Die Aussage der Kommunalrechtsbehörde, dass es reiche, was bei der Veranstaltung im BIZ zu den finanziellen Belastungen gesagt wurde, reicht nicht aus. Die GR benötigen eine aktuelle schriftliche Einschätzung, so wie die Behörde dies 2018 vorgelegt hat.

Für die Wählergemeinschaft steht deshalb fest: Bevor eine Entscheidung mit jahrzehntelangen Folgen getroffen wird, müsse die Bevölkerung umfassend informiert werden und dem Gemeinderat eine finanzielle Einschätzung schriftlich vorliegen.

Sollte die Offenlegung weiterhin verweigert werden, schließt PH auch eine Einschaltung des Innenministeriums zur rechtlichen Klärung nicht aus.


Link zur Presseveröffentlichung in den WN am 26.05.2026