Pro Hemsbach fordert Transparenz und realistische Finanzplanung

Schulhausneubau: Pro Hemsbach fordert Transparenz und realistische Finanzplanung

Aus aktuellem Anlass hat die Wählervereinigung Pro Hemsbach eine Sondersitzung durchgeführt, um die derzeit diskutierten Planungen zum Schulhausneubau sowie die damit verbundenen finanziellen Auswirkungen für die Stadt zu bewerten. In der Sitzung wurden mehrere Punkte deutlich angesprochen.

Fehlende Unterlagen trotz Klausurtagung

Gleich zu Anfang stellte die Wählergemeinschaft fest, dass der Bürgermeister dem Hemsbacher Gemeinderat im Zusammenhang mit der Klausurtagung zum Thema Schulhausneubau Nichtöffentlichkeit auferlegt hat. 

Bereits am 25. Februar 2026 hatte Pro Hemsbach die Verwaltung gebeten, dem Gemeinderat die Kostenermittlung für verschiedene Varianten vorzulegen. Dabei ging es um die Berechnung eines Neubaus auf dem Schillerschulgelände mit Gymnasium, den notwendigen Abrisskosten der vorhandenen Gebäude und die Sanierung der Schillerschule sowie alternativ um einen Neubau von Gymnasium und Realschule auf dem Sportplatzgelände. Ziel war es, die Berechnungsgrundlage der Verwaltung nachvollziehen zu können. Auch diese Unterlagen stehen noch aus, kritisierten die Anwesenden.

Eigene Berechnungen weichen deutlich ab

Unabhängig davon hat Pro Hemsbach eine eigene Kostenberechnung für einen möglichen Neubau von Gymnasium und Realschule auf dem Sportplatzgelände erstellt. Grundlage waren die entsprechenden Landesvorgaben sowie der aktuelle Baukostenindex.

Diese Berechnung kommt zu einem deutlich anderen Ergebnis als die bislang genannten Zahlen der Verwaltung. Eine Prüfung der Unterschiede ist jedoch erst möglich, wenn die Berechnungsgrundlagen der Verwaltung vollständig offengelegt werden. 

Angespannte Haushaltslage der Stadt

Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung war die finanzielle Situation der Stadt Hemsbach. Bereits heute weist der Haushalt – ebenso wie die Planung bis 2029 – ein negatives Ergebnis aus, und das ohne die Kosten eines möglichen Schulhausneubaus.

Für das Jahr 2026 ist ein Defizit von 2,7 Millionen Euro vorgesehen. In den darauffolgenden Planjahren steigt dieses auf rund sechs Millionen Euro an.

Hinzu kommt, dass mehrere laufende Projekte nur durch eine Sonderförderung des Bundes in Höhe von 7,33 Millionen Euro möglich sind oder durch Förderprogramme. Ohne diese Unterstützung müssten beispielsweise die Sanierung des Lehrerwohnhauses der Goetheschule, die Sanierung der Hans-Michel-Halle oder der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs vollständig über Kredite finanziert werden.

Offene Fragen zur Finanzierung

Vor diesem Hintergrund sieht Pro Hemsbach erheblichen Klärungsbedarf bei den finanziellen Folgen eines Schulneubaus. Insbesondere fehlen bislang konkrete Aussagen zu den Auswirkungen von Zins und Tilgung auf den Haushalt, zur Entwicklung der Verschuldung oder zur zukünftigen Liquidität der Stadt.

Zu berücksichtigen ist zudem, dass für das Bildungszentrum (BIZ) bereits Zins- und Tilgungsleistungen anfallen. Ebenso bleibt offen, wie ein Projekt dieser Größenordnung finanziell begleitet werden soll – etwa durch zusätzliche Einnahmen oder strukturelle Einsparungen im Haushalt.

In der Sitzung wurde betont, dass die Streichung freiwilliger Leistungen den Haushalt nicht sanieren würde,. Aber eine sehr große negative Auswirkung hätte auf das gesellschaftliche Leben in der Stadt. e

Aus Sicht von Pro Hemsbach besteht deshalb die Gefahr, dass ein Schulneubau in der aktuell diskutierten Form die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt erheblich einschränken würde.

Klärungsbedarf beim Standort des BIZ

Auch inhaltliche Fragen zum Standort des Bildungszentrums wurden angesprochen. PH erhielt die Information, dass beim Bau des BIZ der Müll unter dem Gebäude vollständig entfernt und der Bereich anschließend mit Sand aufgefüllt wurde.

Eine schriftliche Bestätigung des damaligen Bürgermeisters Michel aus dem Jahr 1978 würde dazu vorliegen. Demnach wurde der ausgebrachte Müll seitlich gelagert, abgedeckt und eingezäunt. Nach dieser Darstellung steht das BIZ somit nicht auf einer Deponie. Pro Hemsbach hält es für notwendig, diese Hinweise sachlich zu prüfen.

Auch beim häufig genannten Sanierungsbedarf am BIZ sieht Pro Hemsbach weiteren Klärungsbedarf. Bisher wurde nicht konkret dargestellt, welche Maßnahmen erforderlich wären und welche Kosten tatsächlich entstehen würden.

Rückblick: Bildungsvielfalt bereits 2017 verteidigt

In der Sitzung wurde zudem an frühere schulpolitische Entscheidungen erinnert. Bereits 2017 sollte die Realschule in die Gemeinschaftsschule integriert werden. Damals sprach sich Pro Hemsbach gemeinsam mit der CDU gegen diese Pläne aus und setzte sich für den Erhalt der Bildungsvielfalt ein. Nach Protesten von Eltern wurde der Beschluss noch im selben Jahr aufgehoben und die Realschule als eigenständige Schulart bestätigt.

Ehrenamt und gesellschaftlicher Zusammenhalt im Blick behalten

Zum Abschluss der Sondersitzung betonten die Anwesenden die Bedeutung der freiwilligen Leistungen der Stadt. Viele Vereine, Initiativen und kulturelle Angebote sind darauf angewiesen. Sie bilden die Grundlage für ehrenamtliches Engagement und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Hemsbach.

Sollten kommunale Haushalte durch hohe Verschuldung so stark belastet werden, dass freiwillige Leistungen gekürzt werden müssen, hätte dies spürbare Auswirkungen auf das Ehrenamt und auf das gesellschaftliche Leben der Stadt.

Deshalb sehen die Mitglieder der Wählervereinigung die zentrale Aufgabe der Kommunalpolitik darin, finanzielle Entscheidungen so zu treffen, dass die Handlungsfähigkeit der Stadt erhalten bleibt – und damit auch die Grundlage für das vielfältige Engagement der Bürgerinnen und Bürger. bgs

 Link zum Artikel der Verwaltung in den WN am 16.03.2026

Link zur Stellungnahme von PH in den WN am 31.03.2026